Ich selber kann es kaum glauben, aber ich habe tatsächlich Buenos Aires verlassen. Das erste Kapitel ist abgeschlossen und ich fange endlich an mich über den Kontinent zu bewegen.
Nachdem ich den Freitagabend genutzt habe, um meinen Abschied aus BA angemessen zu zelebrieren, wollte ich eigentlich den Samstag nutzen um auszuschlafen und die letzten Dinge für die Abreise zu klären - daraus wurde nicht viel, da die Handwerker von neben an mich wie jeden Morgen mit ihrem concerto de martillos geweckt haben. Zwei Stunden Schlaf mussten also für diesen Tag reichen. Ich habe Anush in ihrem Laden besucht und hab die restliche Zeit eigentlich vertrödelt. Wie auch immer. Bin dann um halb fünf zum Busbahnhof in Retiro gefahren, direkt neben der Villa 31. Villas sind die Elendsviertel in Argentinien und soviel ich weiß ist die Villa 31 die größte in Buenos Aires. Die Wände der äußeren Hütten wurden bunt angemalt, das sieht jetzt ganz hübsch aus, ändert aber nichts daran, dass die Leute bettelarme Peruaner und Bolivianer sind, die ganz heiß drauf sind Turisten das Geld aus den Taschen zu ziehen. Die Jungs haben nen kurzen Arbeitsweg und wenn man von der Villa selbst einmal absieht, ist sie in einer tollen Wohngegend. Nur wenige Blocks von Recoleta und Puerto Madero entfernt, an der Costanera gelegen, top! Worauf ich hinaus will, ich war nicht besonders begeistert nach Retiro zu fahren. Der Busbahnhof war ganz ok und ein alter Mann im Rollstuhl hat mir einen Flyer mit einem Bibeltext geschenkt, kurz darauf bin ich in meinen Bus gestiegen, und das war dann auch schon Retiro. Keine Diebstähle, keiner Schießerei, nichts.
Die Busse hier sind superbueno, ich hatte einen Platz im oberen Teil direkt vor der Frontscheibe, sodass ich die triste Graslandschaft wunderbar beobachten konnte. Der Sonnenuntergang war einmalig, sowas habe ich bisher noch nicht gesehen; die Sonne verschwand hinter einem schleiernden Vorhang von Rosa- und Orangetönen und man konnte unendlich weit schauen. Die Fahrt dauerte 4 Stunden, im ganzen Bus waren vielleicht 10 Leute. Auf der anderen Seite in meiner Reihe saß ein argentinischer Chemikant aus Buenos Aires mit dem ich mich über die Toten Hosen unterhalten habe. Jeder kennt die Toten Hosen.
Ich kam in Rosario um 10 Uhr an, bin dann flux mit dem colectivo zu meinem Hostel gefahren, Sachen abgeladen, geduscht, kurz hallo gesagt und ein wenig mit ein paar Mädels aus DC geschnackt, danach bin ich in eine Bar gegangen, wo ich mich mit einer Freundin von Justin (Franzose den ich im Hostel in America del Sur kennengelernt habe) getroffen habe. Lucia ist Argentinierin und spricht Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Alles sehr gut. Weil sie aber zuletzt ein Jahr in Frankreich verbracht hat spricht sie jetzt Deutsch mit einem fränzösischen Akzent. Que RARO! jajaja (so schreibt man hier hahaha) Lucia ist aus Rosario, und entspricht vollkommen dem Bild, dass die meisten Leute von den chicas de Rosario haben. Muy buena onda y lindisimas. Man sagt, dass die hübschesten Argentinierinnen in Rosario leben und bisher kann ich das nur bestätigen. Todo bien, die Leute waren alle sehr lässig, aber ich bin dann schon um halb vier zurück zum Hostel gegangen - die meisten Leute waren auf Piste, sodass das Hostel quasi leergefegt war.
Heute morgen bin ich ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe mein Ticket nach Cordoba gekauft. Ich würde hier eigentlich gerne länger bleiben, weil die Stadt wirklich wunderschön ist. Die Luft ist tausendmal besser und es gibt ähnlich viele Restaurant wie in Buenos Aires, die sehr sehr hip daher kommen. Insbesondere die Costanera ist sagenhaft mit unzähligen Parks am Rio Parana. Die Lebensqualitität erscheint mir hier deutlich besser und die Wohnungen sind günstiger als in BA; ich würde also schon gerne nochmal zurückkommen, aber dann mit Freunden in einer schicken Altbauwohnung. Mein Bus nach Cordoba fährt am Dienstag, ich muss also die Zeit nutzen die ich hier bin.
Außerdem löst sich meine Schreibblockade gerade wieder, ich habe also Grund aufgeregt zu sein.
Randbemerkung (kleine Belohnung für die, die den ganzen Post gelesen haben):
Als ich Samstagmorgens zu meiner Wohnung zurückgegangen bin, habe ich Leute auf der Straße vögeln gesehen, Buenos Aires ist verstörend! : D