Zurzeit versuche ich ein wenig die Kulturlandschaft Buenos Aires zu begreifen und ein wenig in diesen Ozean von Möglichkeiten einzutauchen. Das ist eigentlich gar nicht so schwer, aber irgendwie auch gar nicht so leicht. Es gibt unendlich viele Galerien, Museen, Buch- und Plattenläden, Theater etc. und natürlich bekommt man hier und da mal einen Tip wo man hingehen kann, aber selbst dann ist natürlich noch lange nicht gewährleistet, dass der entsprechende Schuppen was hermacht.
Gestern habe ich jedenfalls meine Suche nach einem coolen Buchladen fortgesetzt, indem ich ein bisschen für mein Buch recherchieren kann. Nachdem diverse Läden auf der Avenida Santa Fe aus atmosphärischen oder finanziellen Gründen (El Ateneo; ein Buchladen in einem alten Theater, super hübsch, aber auch super teuer und stickige Luft – trotzdem googelt das mal, sehr beeindruckend zu sehen) nicht meinen Vorstellungen entsprachen bin ich in Palermo endlich auf eine Libreria nach meinem Geschmack gestoßen. Libros del Pasaje (www.librosdelpasaje.com.ar) ist ein in der Calle Thames gelegener Laden, in dem man von Conrad über Borges bis Murakami alle möglichen Bücher in riesigen, bis zur Decke reichenden Mahagonieregalen auf Spanisch und Englisch finden kann. Gleich im Eingangsbereich findet man auch Comics von Herge und Gaieman und auf der Galerie findet sich eine beschauliche, aber ausreichend große Abteilung für Kunst, Design und Fotografie. Das beste an dem Laden ist allerdings, dass man sich einfach ein Buch schnappen kann und sich dazu einen Cafe oder etwas zu essen bestellen kann. Ich weiß, dass es dieses Konzept auch in Deutschland gibt (sogar bei Thalia), aber das ist einfach nicht das Gleiche. Die Atmosphäre in den großen Franchisebuchläden fuckt einfach gegen diesen unauffälligen Hipsterbuchladen ab. Natürlich gehört der Laden auch nur irgendeinem reichen Sack, der das alte Familienunternehmen aufgekauft hat, aber wenigstens weiß man hier wie man die Atmösphäre waren kann. Nachdem ich etwa zwei Stunden mich intensiv über das Sammeln von Spielzeug als Wertgegenstand informiert habe und mich ein wenig mit dem Sohn der ehemaligen Besitzer unterhalten habe, wollte ich mich noch ein wenig einem Buch über Matisse widmen, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich genug von Spanisch und entschied mich nach Hause zu gehen. Auf dem Weg zurück, schlenderte ich noch ein wenig durch die Straßen von Palermo Soho . - Ich weiß nicht was ich von Gentrifizierung halten soll, aber als Europäer in Südamerika ist es eine klasse Sache. Palermo kommt so tight daher. Boutiquen, Platten und Buchläden, Cafes, Clubs, Boutique Hotels, größtenteils in kleinen, alten, bunten Häuschen, zum Teil mit Street Art versehen. Es ist wirklich wunderschön einfach durch die Straßen zu gehen - auch wenn es auch hier viel Hundescheiße und Schlaglöcher gibt.
Am Abend sind wir dann in eine Art Kneipe mit Livemusik gegangen. Ein argentinischer Enrique-Iglesias-Verschnitt mit Gitarre und ein Bolivianer mit Panflöte boten eine schlechte Show. Das Duo wurde von einem uralten (er war wirklich alt) Schriftsteller aus Argentinien begleitet, der aus unerfindlichen Gründen ein Buch über die beiden geschrieben hat und hin und wieder Auszüge aus diesem Buch vorgelesen hat. Es war ungemein schlecht. Wir belassen es dabei. Danach sind Julian (argentinischer Freund, der vorher mit der Schwester von Carly gereist ist) und ich zu Juan gegangen, um Poker zu spielen. Gespielt wurde an zwei Tischen, Startgeld waren 30 Pesos (6 Euro) und am Ende habe ich gewonnen, haha. 300 Pesos waren es am Ende für mich, was bei meinen Pokerfähigkeiten doch sehr beachtlich ist. Es war schön mal keinen Bela oder Henrik am Tisch zu haben. Das machte alles irgendwie wesentlich einfacher. ; ) Das beste waren aber die Tacos, die wir uns etwa gegen halb vier gegönnt haben. Juan hatte noch einiges übrig vom Abend und es war einfach der Bringer. Wenn ich wieder zu Hause in Deutschland bin, werde ich auf jedenfall häufiger Tacos essen. So wie Spaghetti. Ich verstehe nicht warum das nicht in der westlichen Mainstreamhauskochkunst angekommen ist.
Am nächsten Tag bin ich dann auf eine Tour durch die Kunstgalerien von Recoleta gegangen. Zurzeit ist hier die semana de las artes en Buenos Aires und daher finden überall kostenlose Touren statt. Leider war die Tour kacke, größtenteils waren wir in den Ateliers von irgendwelchen Hausfrauen und der Tour Guide erklärte einer zu reichen südamerikanischen Hausfrau, welche Farben der Künstler benutzte. Weder der Guide, noch die Frau hatten irgendwelche Ahnung von Kunst, was sich spätestens bemerkbar machte, als die Frau sich bei einem pointillistischen Blumenpott an Van Gogh erinnert fühlte. Es war fürchterlich schlecht und ich hoffe, dass die argentinische Kunstszene mehr zu bieten hat. Wirklich, es war richtig schlecht.