Die letzten Tage verliefen recht unspektakulär, darum heute nur ein kleines Update. Am Donnerstag Abend konnte ich zum ersten Mal endlich Basketball spielen. Wir waren in Belgrano (hinter Palermo, eigentlich eine rechte wohlhabende Gegend, wo wir waren aber eher nicht) und spielten zu dritt in einer verkommenen Halle von irgendeiner Winzuni, die sich da befand. Argentinier sagen immer, dass sie sich für Basketball interessieren, aber irgendwie kennt niemand jemanden der wirklich zocken kann. Ich weiß nicht genau, wann die Saison angeht, aber ich weiß, dass Boca ein Erstligateam hat. Da kann ich mir dann mal eine höherklassige Partie anschauen und vielleicht Leute kennenlernen, die mehr in der Materie sind. Gleichzeitig muss ich hinzufügen, dass ich eigentlich kein Interesse nach La Boca zu fahren. In La Boca sind so etwa vier Straßen sicher, entfernt man sich nur ein, zwei Blocks von diesen Straßen, dann kann man sich eigentlich schon von all seinen Besitztümern verabschieden. Habe ich eigentlich nicht so Lust drauf, darum muss ich mal schauen wo genau das Basketballstadion da ist.
Meine Kommunikationsmöglichkeiten sind immernoch ein wenig begrenzt, da Wifi immer noch nicht funktioniert. Gestern hätte der Techniker alles einrichten sollen, aber wir konnten terminlich nicht und jetzt kommt er am Montag. Mein Mitbewohner schrie in etwa 10 Minuten lang am Telefon an; eigentlich wollte der Techniker den Termin auf nächste Woche Freitag verschieben, was natürlich zum KOTZEN gewesen wäre. Argentinier müssen sich immer und überall behaupten, „to tuffen up“ ist hier echt wichtig. Kundenservice geht allen am Arsch vorbei, darum muss man hier wirklich um alles kämpfen, wenn man etwas haben will. Mein Mitbewohner ist sonst echt total gelassen, wirkt eher zurückgezogen, aber wenn er was haben will, dreht er vollkommen am Rad. Das ist einfach die Art der Leute hier.
Außerdem haben wir uns über Peruaner unterhalten, bzw. überhaupt über Einwanderer. Argentinien ist nach wie vor ein Einwanderungsland, aber die Immigranten kommen nicht mehr aus Europa, sondern aus Paraguay, Bolivien, Peru oder Kolumbien. Wie ich glaube ich schon in der Vergangenheit erklärt habe, sind Argentinier sehr stolz darauf europäisches Blut zu haben. Indigene Herkunft eher nicht so, daher werden die Einwanderer schon aus einfachen rassistischen Gründen verachtet. Dazu kommt, dass die Immigranten aus anderen südamerikanischen Ländern natürlich bettelarm sind und sich der sozioökonomische und soziokulturelle Input im Wesentlichen darauf reduziert, Leute auszurauben, Sozialhilfe einzukassieren, Subte und Krankenhäuser zu überfüllen und schlechte Livemusik auf der Straße zu machen. Insbesondere Peruaner werden verachtet – weil sie so klein sind und viel rauben würden.
Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll. In Deutschland ist es wesentlich einfacher sich mit Migrationspolitik auseinanderzusetzen – unsere ökonomische und soziale Infrastruktur ist einfach besser als in Argentinien; daher ist es wohl nicht fair die argentinische Reserviertheit gegenüber Migranten nach europäischen Maßstäben zu kritisieren. Offensichtlicher Rassismus und Xenophobie sind natürlich generell inakzeptabel. Ich habe noch nicht von Gewalttaten gegenüber Ausländern gehört. Es gibt sie bestimmt, aber ich gehe davon aus, dass es sich dabei eher um Randerscheinungen handelt. (Ich verrenne mich und eigentlich möchte ich auch nicht anfangen hier politisch zu werden, das liest sich alles wie eine eilig geschriebene SoWi-Klausur bei Herrn Barrelmeyer und ich muss gerade an sein spitzbübiges Lächeln und an seinen Rotstift denken; hatte Barrelmeyer Rotstift? Ich hoffe es!)
Um auf den Punkt zu kommen: (an dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass ich nicht die politische Situation kenne, wohl aber die im Volk) Ein Land der Einwanderer sträubt sich gegen weitere Einwanderer. Ich finde es interessant, dass sich ähnlich wie in der USA eine starke nationale Identität entwickelt hat; die sich von den anderen Nationen auf dem eigenen Kontinent abgrenzen möchte. Ich habe nicht viel Ahnung und das Thema sprengt den Rahmen eines Blogposts, aber ich denke es ist interessant zu sehen, dass sich solche sozialen Phänomene überall auf der Welt ähnlich entwickeln können.
Ach ja, es hat hier geregnet. Und Regen heißt hier richtig Regen. Nach zwei Minuten sah ich als hätte ich im Rio de la Plata gebadet, es hat gegossen wie irre.
Ich weiß, ich blogge zurzeit nicht viel, der Artikel ist jetzt auch schon eine Woche alt. Gestern lag ich krank im Bett. Ich lese und schreibe viel und mein Wifi läuft immer noch nicht. Ich versuche die Tage aber wieder mehr hochladen.